Helmut Schmidt Journalistenpreis: BR gewinnt mit Dokuserie über Betrugsnetzwerke
Der 1. Preis geht an die BR-Serie „Kings of Scam – Millionen mit Fake-SMS“. Den 2. Preis erhält der Spiegel für seine Recherche zum ehemaligen Wirecard-Manager Jan Marsalek, den 3. Preis Felix Holtermann und Thomas Jahn vom Handelsblatt für ihre Palantir-Berichterstattung. Das HSJP Fellowship geht an die freie Journalistin Luisa Wick.
Die Jury des Helmut Schmidt Journalistenpreises hat aus 261 Einreichungen die Preisträgerinnen und Preisträger 2026 ausgewählt. Die ING Deutschland vergibt die Auszeichnung für Wirtschafts- und Finanzjournalismus in diesem Jahr zum 31. Mal. Der Preis ist nach dem früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt benannt und wurde 1996 zum ersten Mal verliehen. Die Preisverleihung fand am 4. November im Literaturhaus in Frankfurt am Main statt.
Der Preis ist mit insgesamt 30.000 Euro dotiert. Die drei Preise sind mit 15.000, 10.000 und 5.000 Euro dotiert.
1. Preis: „Kings of Scam“ (Bayerischer Rundfunk)
Die mehrteilige Dokumentation „Kings of Scam – Millionen mit Fake-SMS“ der BR-Einheit team.recherche befasst sich mit organisiertem Online-Betrug. Die Serie erklärt, wie moderne Betrugsnetzwerke arbeiten, und stellt die Betroffenen in den Mittelpunkt. Die Jury hebt hervor, dass die Opfer nicht als einfältige Geschädigte erscheinen, sondern als nahbare Menschen, mit denen sich das Publikum identifizieren kann. Die beteiligten Journalistinnen und Journalisten treten selbst in der Erzählung auf, wahren aber nach Ansicht der Jury die nötige journalistische Distanz. Gelobt werden außerdem Selbstironie, Transparenz und eine zeitgemäße Erzählweise. Ausgezeichnet wird die Serie für die innovative und investigative Aufarbeitung eines hochrelevanten Verbraucherthemas und für ihren Blick auf die Betroffenen.
2. Preis: „Der Spion, der in die Kälte ging“ (Der Spiegel)
Der Spiegel zeichnet in „Der Spion, der in die Kälte ging“ nach, wie der flüchtige frühere Wirecard-Manager Jan Marsalek in Moskau aufgespürt wurde. Die Jury würdigt die modernen Recherchemethoden, die Beharrlichkeit und die investigative Präzision des Spiegel-Teams. Die Recherche entstand in Zusammenarbeit mit internationalen Medien. Laut Jury liefert sie ein bislang verborgenes Puzzleteil im größten Bilanz- und Wirtschaftsskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte und steht exemplarisch für investigativen Journalismus auf höchstem Niveau.
3. Preis: „Die Geheimnisse von Palantir“ (Felix Holtermann und Thomas Jahn, Handelsblatt)
Felix Holtermann und Thomas Jahn berichten im Handelsblatt über den US-Softwarehersteller Palantir. Laut Jury geben die Texte Einblick in ein einflussreiches und schwer durchschaubares Technologieunternehmen, entmystifizieren Firmenchef Alex Karp und zeigen, welche gesellschaftliche und politische Bedeutung Palantirs Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen hat. Die Jury hebt den exklusiven Zugang, die anschauliche Aufbereitung in der gedruckten Ausgabe und das unkonventionelle Interview mit Karp hervor. Ausgezeichnet werden zwei Beiträge.
HSJP Fellowship 2026 an Luisa Wick
Das Fellowship zum Helmut Schmidt Journalistenpreis erhält die freie Journalistin Luisa Wick. Sie will zur Krankenhauskrise in Deutschland recherchieren, und zwar zu einem Aspekt des Gesundheitswesens, der bislang wenig beleuchtet wurde. Die Jury lobt die klare Zielsetzung, den investigativen Anspruch und den systematischen Ansatz ihres Exposés. Sie erwartet von dem Vorhaben neue Erkenntnisse über kriselnde Krankenhäuser und den Umgang mit öffentlichen Mitteln.
Das HSJP Fellowship ist mit 15.000 Euro dotiert. Es verbindet ein Stipendium der ING Deutschland mit der Betreuung durch die freien Journalisten Felix Rohrbeck und Oliver Schröm. Das Programm richtet sich an junge Journalistinnen und Journalisten, die eine kritisch-konstruktive Recherche über mehrere Medienkanäle hinweg umsetzen wollen. (Fotocredit: ING Deutschland/Vero Bielinski)