Wie führt man eine Redaktion, wie geht man mit Kritik um und welche Fehler sollten Führungskräfte vermeiden? Kirsten Ludowig, stellvertretende Chefredakteurin des „Handelsblatts“, spricht im Interview mit der „Wirtschaftsjournalist:in“ über ihre Erfahrungen als Führungskraft, den Umgang mit Konflikten und die Bedeutung von Feedback. Sechs Fragen aus dem Gespräch.
Was verstehen Sie unter Führung?
Für mich heißt Führung, den besten Journalismus möglich zu machen. Ich sehe mich als Enablerin und Sparringspartnerin, im Tagesgeschäft genauso wie bei den strategischen Themen Personal und Transformation, für die ich innerhalb der Chefredaktion verantwortlich bin.
Gab es ein Schlüsselerlebnis?
Ich war viele Jahre Reporterin beim „Handelsblatt“, bevor ich 2015 in die Ressortleitung kam. Als stellvertretende habe ich die Zusammenarbeit von Online und Print im Unternehmensressort gesteuert. Da war nicht mehr viel mit Recherchieren und Schreiben. Ich dachte, ich bin keine richtige Journalistin mehr, wenn ich nicht mehr selbst produziere. Das ist natürlich Quatsch, aber ich glaube, noch heute für manche ein Thema.
Wie erkennen Sie Führungstalente?
Ich achte darauf, wer Verantwortung übernimmt, Projekte vorantreibt, Teams zusammenbringt. Und ich schaue auch auf die „stillen Stars“. Oft sind gerade die ruhigeren Kolleginnen und Kollegen erstaunlich stark darin, Menschen mitzunehmen.
Welche Fehler machen Nachwuchsführungskräfte häufig?
Viele glauben, sie müssten sofort jede Situation lösen. Das Gegenteil ist oft richtig: erst zuhören, Fragen stellen, verstehen. Nicht alles braucht eine Sofortlösung. Der zweite Fehler: zu glauben, man dürfe keine Fehler machen. Führen lernt man nicht aus Büchern, sondern in der Praxis.
Welches Gespräch fällt Ihnen bis heute am schwersten?
Gespräche, in denen ich Menschen enttäuschen muss. Zum Beispiel wenn ich einer talentierten jungen Journalistin oder einem talentierten jungen Journalisten sagen muss, dass es beim „Handelsblatt“ nicht weitergeht. Das sind keine Gespräche, die man irgendwann routiniert abhakt. Und ehrlich gesagt möchte ich auch nicht, dass sie routiniert werden. Das wäre kein gutes Zeichen.
Sind schlechte Führungskräfte demnach gefährlicher als schlechte Technologie?
Technologie kann man kaufen, Vertrauen und Kultur nicht. Schlechte Führung gefährdet Motivation und Veränderungsbereitschaft. Deshalb braucht Journalismus gerade in Zeiten des Wandels starke Führung.
Das vollständige Interview mit Kirsten Ludowig ist in der
aktuellen Ausgabe der „Wirtschaftsjournalist:in“ erschienen. Darin spricht sie unter anderem über ihre Führungsausbildung, den Umgang mit Konflikten und die Zusammenarbeit zwischen Redaktion und Verlag.