Gabor Steingart übt scharfe Kritik an der Wirtschafts- und Finanzberichterstattung deutscher Medien.
Gabor Steingart geht mit dem etablierten deutschen Wirtschaftsjournalismus hart ins Gericht. „Das ist organisierte Hochstapelei“, sagt der Gründer und Chefredakteur von „The Pioneer“ in einem
Interview mit dem Kommunikationsmagazin „kom“. Seine Kritik richtet sich unter anderem gegen „FAZ“, „Börsen-Zeitung“, „Capital“, ARD und ntv.
Steingart wirft den Medien vor, Fehler und Fehleinschätzungen der Vergangenheit nicht ausreichend aufgearbeitet zu haben. Als Beispiele nennt er die Berichterstattung über die Telekom-Aktie und die Dotcom-Blase sowie den Wirecard-Skandal. Bei Wirecard habe erst die britische „Financial Times“ den Skandal aufgedeckt. Trotzdem täten Medien heute so, „als könnten sie die Zukunft vorhersagen und verstünden komplett, was gerade passiert“.
Auch an der Qualifikation von Wirtschaftsjournalisten übt Steingart Kritik. Viele könnten keine Bilanz analysieren, „weil sie Literaturwissenschaftler, Soziologen oder Philosophen sind“. Dem bisherigen Angebot will „The Pioneer“ nach seinen Worten einen „wahrhaftigeren Börsenjournalismus“ entgegensetzen. Dazu gehöre auch, Unsicherheit zuzulassen, statt Entwicklungen im Nachhinein als vorhersehbar darzustellen.
Für die Expansion in den Finanzjournalismus plant „The Pioneer“ eine eigene Redaktion in Frankfurt mit 30 bis 50 Mitarbeitern. Sie soll unabhängig von der Berliner Redaktion geführt werden. Erste neue Produkte sind bis 2027 vorgesehen, im Sommer 2028 soll ein neues, 80 Meter langes Redaktionsschiff auf dem Main in Betrieb gehen.
Die geplante Investition beziffert Steingart auf 43 Millionen Euro. Rund ein Drittel soll über Fremdkapital finanziert werden, über das „The Pioneer“ mit seiner Hausbank Commerzbank spricht. 15 Millionen Euro sollen aus dem Cashflow und weitere 15 Millionen über eine Kapitalerhöhung kommen. Die Finanzierung ist noch nicht abgeschlossen. (he)
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