Anfang Juli hatte Hoffmann nach nur sieben Monaten ihre Position "aus persönlichen Gründen aufgegeben", wie es damals offiziell hiess. Eigentlich habe sie sich zu ihrem Weggang nicht öffentlich äußern wollen, schreibt Hoffmann jetzt in einem vielbeachteten Linkedin-Beitrag. Nachdem jedoch interne Informationen an die Öffentlichkeit gelangt seien, wolle sie nun ihre Sicht schildern.
Ihre Erfahrungen stünden für ein grundsätzliches Problem: „Das Experiment ,Mutter von zwei Kleinkindern als Chefredakteurin einer Tageszeitung‘ hat mir gezeigt, dass Vereinbarkeit oft so lange befürwortet wird, bis sie von anderen im Arbeitsalltag mitgetragen werden muss.“
Hoffmann beschreibt den Umzug nach Frankfurt mit ihren zweieinhalbjährigen Zwillingen als „logistischen und psychischen Kraftakt“. Die schwierige Suche nach Kitaplätzen, zwei Eingewöhnungsphasen und der tägliche Wechsel ins Homeoffice hätten sie stark belastet. „Das ständige schlechte Gewissen und das Gefühl, nie genug geben zu können, haben so schon sehr an mir gezehrt“, schreibt sie. Nach dem Hinweis, in der Redaktion werde über ihre häufige Abwesenheit gesprochen, sei für sie „der Schlusspunkt erreicht“ gewesen – „zum Wohl meiner Familie und meiner geistigen und körperlichen Gesundheit“.
Besonders kritisch äußert sie sich über den Umgang in ihrem beruflichen Umfeld. Aus der Redaktion sei ihr über Dritte zugetragen worden, sie sei „so oft nicht da“ und würde „so früh gehen“, schreibt Hoffmann. „Niemand hat diese Kritik mir gegenüber geäußert, sondern nur über Dritte.“ Das habe sie als besonders enttäuschend empfunden – auch, weil die Kritik aus dem Umfeld einer Zeitung gekommen sei, „die sich seit Jahrzehnten für die Gleichberechtigung von Frauen einsetzt“. Gleichzeitig betont Hoffmann ausdrücklich, dies gelte nicht für die gesamte Redaktion. Viele Kolleginnen hätten sie unterstützt und ihr nach ihrem Abschied ermutigende Nachrichten geschickt.
Hoffmann war erst Anfang Dezember 2025 Chefredakteurin der „Frankfurter Rundschau“ geworden. Mitte Juni gab der Verlag bekannt, dass sie die Zeitung zum 1. Juli aus persönlichen Gründen wieder verlässt. Interimistisch übernahm erneut der stellvertretende Chefredakteur Michael Bayer die Redaktionsleitung.
Hoffmann begann ihre journalistische Laufbahn 2011 mit einem Volontariat beim Focus. 2013 gehörte sie zur Gründungsredaktion der deutschen HuffPost, 2016 übernahm sie die Chefredaktion von Business Insider Deutschland. Nach einer Station als Redaktionsleiterin von BW24 wechselte sie 2021 an die Spitze der deutschen BuzzFeed-Redaktion, die sie bis zu ihrem Wechsel zur „Frankfurter Rundschau“ leitete.
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