Reimer begann 1997 bei der WirtschaftsWoche und erlebte dort den Wandel vom klassischen Printmagazin zur digitalen Medienmarke mit. Als Ressortleiter Geld, Interimschefredakteur und stellvertretender Chefredakteur war Reimer intern eine verlässliche Konstante. „Er war immer der Mann im Hintergrund, der einfach nur seinen Job gemacht hat und auf den immer Verlass war“, heißt es aus der Redaktion.
Reimer galt als „No-Bullshit“-Typ und „sehr oldschool“. Wer von ihm einen Text zurückbekam, musste mit deutlichen Anmerkungen rechnen, erzählen Weggefährten. Aber: „Je härter die Kritik an Texten ausfiel, desto höher war seine Meinung von Autor oder Autorin.“ Mit Sugarcoating hatte Reimer nicht viel am Hut, er wollte aus seinen Leuten das Beste herausholen.
Zuletzt beschäftigte sich Reimer intensiv mit dem Einsatz KI im Journalismus. Für seine letzte Titelgeschichte arbeitete er mit einem KI-gestützten Aktienanalyse-Tool, das Geschäftsberichte auswertete und Bilanztricks aufspüren sollte. Im begleitenden „Weekender“-Newsletter schilderte er, wie er den eigenen Text testweise durch einen KI-Detektor laufen ließ und trotz selbst formulierter Sätze auf einen KI-Anteil von 72 Prozent kam. Vor einer Jagd auf vermeintliche KI-Texte - wie sie dieser Tage die Branche prägt - hielt Reimer nichts: „Ein KI-Jäger will ich nicht sein, und ein Denunziant schon gar nicht.“
Mit seinem letzten Newsletter verabschiedete sich Reimer auch von den Leserinnen und Lesern. „Der Weekender war immer eines meiner Lieblings-Babys bei der WiWo“, schrieb er. Zum Abschied gab er seiner Branche noch einen Satz mit auf den Weg: „Der beste Humanizer ist der Mensch.“
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