„Business Insider“ bis Morningcrunch: Luca Schallenberger über den Newsletter-Boom
Mit 24 Jahren verantwortet Luca Schallenberger beim Newsletter-Start-up Morningcrunch das Wachstum auf externen Plattformen. In der "Wirtschaftsjournalist:in" (Ausgabe 02/26) spricht der frühere „Business Insider“-Reporter über Reichweite auf Instagram, das Youtube-Format „Scoops“ und die Frage, wie Wirtschaftsjournalismus für jüngere Zielgruppen funktionieren kann.
Was macht ein Director Growth? Mein Ziel ist, noch mehr Menschen für unsere derzeit sechs Newsletter zu gewinnen. Vor allem über externe Plattformen. Auf Instagram produzieren wir beispielsweise 90-Sekunden-Videos zu aktuellen Wirtschaftsfragen, etwa warum der Goldpreis abstürzt oder was BMW besser als andere Automarken macht. Damit führen wir neue Nutzer an die Marke ran – und funneln sie dann in die Newsletter.
Was ist schon erreicht? Wir haben aktuell über 33.000 Follower auf Instagram, gut doppelt so viele wie zu meinem Start bei Morningcrunch im November 2025. Auch Engagement und die Zahl der Shares steigen deutlich. Instagram ist für uns einer der stärksten Wachstumstreiber für die kostenlosen Morningcrunch-Briefings, die weiterhin unser Hauptprodukt sind.
Wie muss Wirtschaftscontent für Young Professionals gemacht sein? Als Infotainment. Entscheidend ist, inhaltlich in die Tiefe zu gehen, das Ganze aber unterhaltsam und leicht verständlich zu erklären. Und im Storytelling so zugeschnitten, dass es zur jeweiligen Plattform passt.
Ist das eine Erkenntnis aus dem Aufbau der Youtube-Plattform „Scoops“? Absolut. Damit sind wir 2024 gestartet. Bereits 2023 hatten mein Kollege Steffen Bosse und ich ein Video über den angeblichen Superreichen Theo Stratmann gemacht, bei dem wir hinter die Kulissen geblickt haben. Das hat aus dem Stand fast eine halbe Million Aufrufe gemacht. Wir dachten, diesen Erfolg können wir einfach reproduzieren. Die folgenden Videos liefen aber viel schlechter, die ersten Monate waren hart. Wir mussten viel testen – bei Thema, Timing, Länge. Und auch das passende Storytelling lernen. Zum Jahresende hatten wir mit 28.000 Abonnenten unser selbst gestecktes Ziel von 20.000 übertroffen.
Vermissen Sie nicht das investigative Arbeiten bei „Business Insider“? Das hat enorm viel Spaß gemacht. Missstände und Fehlverhalten aufdecken ist gesellschaftlich superwichtig. Was mich schon immer antreibt, ist: Fragen beantworten. Das ist die Disziplin des Journalismus. Die kann ich bei Morningcrunch machen.
Ihre bedeutendste Story? Unsere „Business Insider“-Recherche über den ehemaligen Personalleiter von SAP Deutschland, Cawa Younosi. In der haben ehemalige Mitarbeiter gezeigt, was wirklich hinter seiner (Linkedin-)Fassade steckt.
Sie sind als Schüler direkt in den Journalismus gestartet, ohne klassisches Volontariat oder Studium. Fehlt Ihnen was? Ich vermisse nichts. Mitten in der Corona-Zeit habe ich in Nürnberg-Erlangen ein Politik- und Ökonomie-Studium begonnen, ohne jemals einen Hörsaal betreten zu haben. Das war hart. Journalismus hat viel mehr Spaß gemacht, erst ein Jahr bei „Media“, danach als Chefredakteur beim Start-up Wirdenkenlokal in Nürnberg. Ich mag Learning by Doing, das hat auch bei „Business Insider“ funktioniert, wo ich bei tollen Chefs und Chefinnen viel probieren konnte.
Wo sehen sie sich in zehn Jahren? Hoffentlich immer noch im Journalismus. Und nebenbei wäre ich gern Inhaber einer Nürnberger Rostbratwurst-Manufaktur.
Interview: Roland Karle
Dieses Interview ist in der aktuellen Ausgabe der
Wirtschaftsjournalist:in erschienen.
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