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News / Kirsten Ludowig über die Lust auf den Beruf
Kirsten Ludowig (Foto: Max Brunnert)
17.04.2026   Aktuelles
Kirsten Ludowig über die Lust auf den Beruf
Wen und was Wirtschaftsredaktionen wirklich suchen. Fragen und Antworten zu Arbeitsmarkt, Gehältern, Karriere und KI. Die stellvertretende „Handelsblatt“-Chefredakteurin antwortet.
Der Arbeitsmarkt im Wirtschaftsjournalismus verändert sich spürbar: Redaktionen stellen selektiver ein und erwarten mehr als solide Schreibe und Fachwissen. Roland Karle hat für „Wirtschaftsjournalist:in zum Einstieg, zur Karriere und zu den Perspektiven im Beruf“ nachgefragt. Die Antworten von Kirsten Ludowig, stellvertretende Chefredakteurin des „Handelsblatt“.

Was müssen Wirtschafts- und Finanzjournalisten heute besonders gut können?
In einer Welt voller KI-generierter Inhalte, darauf verweist Kirsten Ludowig, „gewinnen exklusive Informationen, Tiefe und Verlässlichkeit im Journalismus an Wert – und damit die klassischen Reportertätigkeiten Netzwerken und Recherchieren“. Die stellvertretende „Handelsblatt“-Chefredakteurin schaut genau hin: „Ist jemand offen, neugierig, hartnäckig, gründlich und bereit, die Extrameile zu gehen? Hat er/sie das schon unter Beweis gestellt?“  

Mit welchem Profil hat man die besten Chancen? 
Das Handwerk sollte man gelernt haben, in einem Volontariat oder an einer Journalistenschule, sagt „Handelsblatt“-Vize Kirsten Ludowig. „Wirtschafts- oder Finanzprofi muss niemand sein, aber Lust darauf haben, es zu werden.“ Und: „Resilienz wird zur Schlüsselkompetenz“, folgert sie aus all den Krisen und der Desinformation, der schwindenden Pressefreiheit und hohem Veränderungsdruck.

Braucht es mehr als früher Multitalente?
Entscheidend sei aber nicht, so Kirsten Ludowig, dass jede oder jeder alles kann, sondern dass Teams gemeinsam alle Kompetenzen abdecken. „Ich schaue daher darauf, dass Journalistinnen und Journalisten teamfähig sind – und sich auch mal zurücknehmen können. Die Zeit der Einzelkämpfer und Ellenbogen ist vorbei.“ 

Welche Rolle spielt KI für den Beruf?
Für Kirsten Ludowig müssen Journalisten offen für KI-Tools im Arbeitsalltag sein. „Profitieren werden jene, die KI als Assistenten begreifen – und die gewonnene Zeit in das investieren, was Journalismus ausmacht: Geschichten erzählen, die noch niemand erzählt hat.“

Wie werden Redaktionen auf Talente aufmerksam?
Das „Handelsblatt“ scannt kontinuierlich den Markt im Wirtschafts- und Finanzjournalismus, aber auch darüber hinaus, sagt Kirsten Ludowig. Wer regelmäßig Scoops liefert, Debatten anstößt, Märkte bewegt, Inhalte journalistisch spannend aufzubereiten (zum Beispiel mit Daten und Zahlen), wer sich schnell entwickelt hat – all das sind Kriterien, um ins Blickfeld zu geraten.

Auf Linkedin postet Kirsten Ludowig eine Zusammenfassung ihres Standpunktes zu der Umfage: „Mein Fazit: Entscheidend ist nicht, dass jede oder jeder alles kann. Entscheidend ist, dass Teams gemeinsam alles abdecken. Und ich bin sehr froh, dass das beim Handelsblatt genauso ist! Wer teamfähig ist, wer sich auch mal zurücknehmen kann – der ist heute gefragt.

Und ja: KI verändert unseren Alltag massiv. Profitieren werden die, die KI als Assistenten begreifen – und die gewonnene Zeit in das investieren, was Journalismus ausmacht: Netzwerken, Recherchieren und Geschichten erzählen, die noch niemand erzählt hat.

Ich schaue deswegen vor allem: Ist jemand offen, neugierig, hartnäckig, gründlich und bereit, die Extrameile zu gehen? Hat er/sie das schon unter Beweis gestellt? Das Handwerk sollte man gelernt haben. Wirtschafts- oder Finanzprofi muss niemand sein, aber Lust darauf haben, es zu werden.“


Die vollständige Umfrage lesen Sie in der Printausgabe von "Wirtschaftsjournalist:in".

 
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