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News / Auszeichnung für Marc Beise
Marc Beise (Foto: Gregor Fischer)
26.03.2026   Aktuelles
Auszeichnung für Marc Beise
Die Kollegin Meike Schreiber blickt auf ihren früheren Chef in der Wirtschaftsredaktion der „Süddeutschen Zeitung“. Auszeichnung im Rahmen der Feier Wirtschaftsjournalisten und Unternehmenssprecher des Jahres 2025.
Das Medienhaus Oberauer hatte zur großen Preisverleihung nach Hamburg geladen. Herausgeber Johann Oberauer und Marcus Hebein, Chefredakteur des Magazins „Wirtschaftsjournalist:in“, gratulierten in der Zentrale von Hapag Lloyd unter anderen Michael Freitag vom „Manager Magazin“ zum Titel als Wirtschaftsjournalist des Jahres 2025. Marc Beise, lange Jahre bei der „Süddeutschen Zeitung“, wurde von der Fachjury für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
 
Seine Kollegin Meike Schreiber Büroleiterin der „Süddeutschen Zeitung“ in Frankfurt verband mit der Ehrung ihren persönlichen Dank an den Kollegen. Ein Auszug aus ihrer Laudatio:
„Lieber Marc, die Jury ehrt dich heute für dein Lebenswerk – und sie tut das völlig zurecht. Vorab: Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich diese Laudatio halten darf, denn auch Dir habe ich es zu verdanken, dass ich bei der Süddeutschen Zeitung damals Fuß fassen konnte nach dem Aus der Financial Times Deutschland. Und du warst jahrelang mein Chef. Es ist mir daher eine besondere Freude.

Kaum jemand hat die Wirtschaftsberichterstattung der Süddeutschen Zeitung über so viele Jahre so sehr geprägt wie du, lieber Marc. Ich habe für diese Laudatio ein wenig in deinem Früh- Spät und Mittelwerk herumgeschaut, mich umgehört und dabei einige interessante Beobachtungen gemacht, die ich mit euch teilen möchte.

Wie ging es los? Nicht bei der SZ, sondern nach dem Studium der Volkswirtschaft und Juristerei fing Marc Beise als Volontär bei der Offenbach Post an, und wurde bereits mit 27 Jahren Ressortleiter. Damals, als es noch kein Internet gab und Zeitungen noch im Klebeumbruch entstanden. Wer ihn damals kannte, war nicht überrascht. Zitat: „Die Volontäre und Jungredakteure waren tendenziell eher langhaarig und ein wenig alternativ“. So hat es mir unser gemeinsamer früherer Kollege Peter Ehrlich verraten.

Marc dagegen hatte damals schon seinen eigenen Stil, er trug die Haare kurz, neigte nicht zum Schlabberlook, das half ihm offensichtlich bei seinem Weg durch die Instanzen. „Marc“, so hat es mir Peter berichtet, „war schon damals schön seriös“. Kein Wunder also, dass man ihm schnell Verantwortung gegeben hat.

Und Marc war seiner Zeit weit voraus, während seine Kollegen wohl noch von der Weltrevolution träumten, soll er bereits in den Achtzigern dort einen großen Artikel über einen mit Wasserstoff betriebenen Ford Transit verfasst haben. Wer Marc kennt, wundert sich nicht: Technologischer Wandel, seine wirtschaftlichen Folgen, ihre gesellschaftliche Relevanz, das waren seine Themen, lange bevor dies Konjunktur hatten.

Dann kam für ihn das Handelsblatt in Düsseldorf. Und mit Marc Beise als neuem Leiter des Ressorts Wirtschaftspolitik, entstanden Überschriften, die beim Handelsblatt damals noch eine Rarität waren: peppig und pointiert waren die, so erinnert sich unser Kollege Caspar Busse, „Tanz am Abgrund." „Helmut Ratlos." „Eine Steuerreform muss alle entlasten." Gerhard Schröder nannte er irgendwann den „kraftlosen Kanzler". Er etablierte sich als Marktliberaler, was bei den Handelsblatt-Machern und -Lesern gut ankam, so wurde mir berichtet.

1999 wechselte Marc zur Süddeutschen Zeitung. Sein erster Artikel im November 1999 trugt die Überschrift „Krisenmanager Schröder“ und ging hart ins Gericht mit dem Kanzler, der sich damals als Retter des Baukonzerns Holzmann inszenierte. Die Jahre darauf kommentierte sich Marc durch die deutsche Wirtschaftspolitik und Unternehmenslandschaft.
 
Und als er 2007 die Leitung des Wirtschaftsressorts der SZ übernahm, zog just die Finanzkrise auf und vor seinen Augen vollzog sich ein ökonomisches Desaster, das einen Marktwirtschaftler und Ordnungspolitiker wie Marc Beise erkennbar provozierte und irritierte. Zähneknirschend akzeptierte er den staatlichen Bankenrettungsschirm. Aber es nagte fortan an ihm. 2009 kritisierte er, es wagten sich wenige Finanzmanager mit Selbstkritik an die Öffentlichkeit.

Kurz darauf schrieb er, wer anfinge, Banken zu stützen, rette bald auch Autokonzerne und dann Maschinenbauer, Porzellanfabrikanten und so weiter. 2009 bemängelte er, es gebe inzwischen eine Merkel AG: Nicht mehr die Banker, sondern die Politiker kontrollierten die Konzerne, und wichtige unternehmerische Entscheidungen würden immer häufiger im Kanzleramt getroffen. In der bald darauf aufziehenden Euroschuldenkrise kritisierte Marc zwar deutlich eine Teufelsspirale der Staatsverschuldung, mahnte aber auch, eine Währungsunion, die sich entsolidarisiere, würde die Geschäftsgrundlage der EU in Frage stellen.

Bereits 2015, als noch kaum jemand „Datenschutz" und „Wettbewerbspolitik" in einem Atemzug nannte, schrieb Marc bereits über die Macht der Tech-Konzerne und forderte, der Staat solle den Nutzen, den sie aus der Vernetzung ziehen, „abschöpfen“ und gesetzlich sicherstellen, dass unsere Daten kontrolliert verwendet werden. Denn wenn Unternehmen die Daten ihrer Kunden nicht sicher aufbewahrten, dann hätten sie es auf Dauer genauso schwer wie eine Bank, die nicht in der Lage sei, Geld sicher aufzubewahren." Das war 2015. Es klingt wie heute.

Wenn er nicht kommentierte, plante Marc Konferenzen. Ab 2007 hat er für die SZ den Wirtschaftsgipfel aufgebaut, eine Konferenz, bei der auch ich seit zehn Jahren in Berlin jedes Jahr immer wieder dabei sein darf. Das Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft, das dort entsteht, ist bis heute einzigartig. Was mich von Anfang an beeindruckt hat, lieber Marc, wie du dort immer auf der Bühne sitzt, du moderierst als hättest du nie was anderes getan, du stellst die richtigen Fragen, du hörst gut zu, du lässt dich von deiner Neugier treiben, manchmal sogar ohne Manuskript in der Hand. Freundlich, nicht liebesdienerisch, trotzdem tiefgreifend, witzig und auch noch schlagfertig, das ist eine besondere Gabe, die nicht so viele haben.
(…)

Lieber Marc, du hast die Wirtschaftsberichterstattung der SZ nicht nur inhaltlich geprägt, sondern ihr eine Richtung vorgegeben: Marktwirtschaftlich, aber nicht naiv was Marktversagen anbelangt. Liberal, aber nicht gleichgültig. Zugleich relevant für Entscheider in den Chefetagen und für ganz normale Menschen in diesem Land.

Du hast eine Konferenz aufgebaut, die trägt. Eine Redaktion geformt, die hält. Und Texte geschrieben, die noch heute gelten. Du hast Maßstäbe gesetzt, als Journalist, als zeitgenössischer Beobachter mit klarem Wertegerüst und Blick auf das, was dir wichtig ist, als Konferenz-Erfinder und als Führungskraft. Das ist eine seltene Kombination.

Gerade ist deine Zeit bei der SZ ausgeklungen – nach drei Jahren als Italien-Korrespondent, was dir, dem überzeugten Europäer, gut zu Gesicht steht. Die Jury hat recht: Das ist ein Lebenswerk, das diesen Namen verdient.“


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