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News / Jörg Howe würdigt Michael Freitag
Michael Freitag (Foto: Gregor Fischer)
25.03.2026   Aktuelles
Jörg Howe würdigt Michael Freitag
Der langjährige Daimler-Sprecher beschreibt in seiner Laudatio, was den „Manager Magazin“-Redakteur zum Wirtschaftsjournalisten des Jahres macht.
Im Rahmen der Preisverleihung „Wirtschaftsjournalist und Unternehmenssprecher des Jahres 2025“ im Hamburger Headquarter von Hapag-Lloyd zeichnete der frühere Sprecher der Daimler AG Michael Freitag für seine Arbeit aus. Der Oberauer Verlag hatte im vergangenen Herbst eine Jury von Fachkollegen für diese Auszeichnung versammelt.  Herausgeber Johann Oberauer und Marcus Hebein, Chefredakteur des Magazins Wirtschaftsjournalist:in, gratulierten den Preisträgern neben Michael Freitag vom "Manager Magazin" auch Marc Beise, lange Jahre bei der Süddeutschen Zeitung, der für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Als Unternehmenssprecherin des Jahres 2025 wurde Monika Schaller geehrt, Kommunikationschefin von SAP.  Schaller stand bereits 2020 und 2021 an der Spitze des Rankings, damals war sie noch für die Deutsche Post tätig. 
 
Jörg Howe wählte in seiner Laudatio auf Michael Freitag einen sehr persönlichen Zugang zu dem journalistischen Wegbegleiter. Hier ein Auszug aus seiner Laudatio:
 
„Als Michael Freitag in mein Leben trat, waren die Geschichten des Manager Magazins über unsere Firma, die damalige Daimler AG, alles andere als erbaulich, eher störend bis gruselig, zum Teil sogar gerechtfertigt.
 
So kam es, wie es kommen musste, es gab Anfragen, immerhin, vom Manager Magazin, von Michael Freitag und anderen. Die Beantwortung war eher mühsam. Das Resultat im gedruckten Heft natürlich teilweise unterirdisch.
 
Dabei hätte ich gewarnt sein müssen, hätte ich mich mit seiner Biografie frühzeitig auseinandergesetzt. Aufgewachsen in Ostwestfalen, in einem katholischen Umfeld, Messdiener und Messdienerausbilder, also eher hartnäckig und standfest, schon mit 20 auf der Kölner Journalistenschule, danach Ökonomiestudium in Köln, dann der erste echte Journalistenjob bei Reuters am Newsdesk, kurze Zeit später beim Handelsblatt Redakteur und Reporter mit dem Schwerpunkt Business Sport und Sportpolitik und vertieftem Interesse an den Geschäften der Bundesliga.
 
2004, also vor 22 Jahren , begann er sich um Autos im Manager Magazin zu kümmern, genauer um die Autoindustrie und Mobilitätsthemen. Da war ich noch mit Insolvenzvermeidung bei der KarstadtQuelle AG beschäftigt, mit dem bekannten Ausgang.
 
Mit dem Wechsel zu Daimler war klar, dass wir aufeinander treffen oder prallen würden, denn vor dem Manager Magazin wurde ich stets gewarnt. Ich erinnere noch sehr gut eine Geschichte, die die Flugbewegungen der damaligen DaimlerChrysler Aviation, also der Firmenflugzeuge des Gesamtkonzerns, zum Gegenstand hatte.
 
Es ging vor allem darum, wer wann wohin flog, dienstlich oder privat, wer wann warum mitgenommen wurde und zu welchem Preis. Ein heikles Thema, ich habe sogleich Prof. Christian Schertz aktiviert und wir hatten beide den Eindruck, dass wir Herrn Freitag die Geschichte ausgeredet hatten. Das war wohl nix, die Quellen, die Freitag hatte, waren exzellent und sehr glaubwürdig und die Geschichte erschien.
 
Ich habe dann noch hinterher Sprecher typisch am Telefon rumgepöbelt, eine Vodoo Puppe hatte ich ja nicht, aber es war vergebens. Also was tun?
 
Es gab noch eine oder zwei Geschichten , die mir maximal auf den Zeiger gingen, immer seriös recherchiert, immer sehr gute Quellen, nie nur eine, die Notwendigkeit miteinander zu sprechen war aber da.
 
Daraus erwuchs im Laufe der Zeit die Möglichkeit sich zu treffen, meist in Hamburg , einfach zu reden, Informationen auszutauschen und eine Basis des Vertrauens zu schaffen, manchmal auch zusammen mit der ebenfalls sehr geschätzten Kollegin Margret Hucko.
 
Wie belastbar das war, erwies sich dann im Jahre 2022, als eine Mitarbeiterin von Daimler Truck ein bereits freigegebenes MM-Interview mit meinem Chef Martin Daum umgeschrieben hat und Michael Freitag mich darüber informierte, dass dieses Interview nicht mehr ins Heft wandern würde, es sei „nicht mehr das Interview, das wir geführt haben.“
 
Stattdessen bekamen wir aber die Möglichkeit, kurzfristig zu einer Blattkritik in Hamburg aufzulaufen. Der Firmenflieger wurde gesattelt, Martin Daum war in Hamburg in Bestform, wich keiner Frage aus, machte eine seriöse Blattkritik und danach gab es noch ein Hintergrundgespräch unter acht Augen und Ohren, bei dem wir natürlich zu viel erzählt haben.
 
Daum sprach auch heikle Punkte in der Blattkritik an. So sagte er: „Geschichten über die Deutsche Bank lese ich bei Euch nicht, ich weiß, dass Ihr die sowieso doof findet.“ Antwort der Autorin: “Lesen Sie die diesmal bitte doch, ich finde die Deutsche Bank gar nicht so doof.“ Daum versprach zu lesen und nachträglich per Mail zu antworten. Am nächsten Tag war man sich einig, dass es eine gute, gut recherchierte Geschichte war.
 
Diese Reise nach Hamburg war es wert, wir konnten offen miteinander sprechen, ich würde es jederzeit wieder so machen und ich hatte das Gefühl, dass es für beide Seiten positiv war und es war das Verdienst von Michael Freitag .
 
Es gibt, aus meiner Sicht, nur wenige Wirtschaftsjournalisten oder Journalistinnen, die auf dem hohen Niveau arbeiten, das Michael Freitag immer wieder erreicht. Ich habe mit einem ebenfalls sehr geschätzten Kollegen aus der Investigativ-Szene gesprochen und ihn nach seiner Einschätzung zu Michael Freitag gefragt. Die Antwort war eindeutig: „Das ist der Einzige, den ich wirklich ernst nehme.“
 
Dem ist nichts hinzuzufügen, außer: Liebe Jury, Sie haben den Richtigen ausgesucht.“
 
Die Wahl der Wirtschaftsjournalisten und Sprecher des Jahres hatten "medium magazin" und "Wirtschaftsjournalist:in" gemeinsam organisiert. Sie fand bereits zum 17. Mal statt.


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