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News / Was kann die neue "Spiegel"-Führung?
Christoph Zimmer, Jennifer Lachman, Martina Hoyer, Thomas Hass (von links) (Foto: Isabella Pacini)
10.02.2026   Aktuelles
Was kann die neue "Spiegel"-Führung?
Mit dem Weggang des strategischen Vordenkers Stefan Ottlitz steht der Spiegel vor einem Neuanfang an der Spitze. Was kann die neue Führungsriege leisten – und wo bleiben Zweifel?
Wolfgang Messner hat für "kress pro" recherchiert, wie es beim Nachrichtenmagazin nach den jüngsten Umbrüchen aussieht. Hier ein Auszug:

"Dass Ottlitz beim „Spiegel“ nach der Macht gegriffen hat, mag für die Mitarbeiter-KG und für manche im Haus anmaßend klingen. Andere aber erkennen durchaus auch eine Notwendigkeit dazu. Denn in den vergangenen Jahren hatte Ottlitz, und nur er, die strategische Führung beim „Spiegel“ inne. Rund 67 Millionen Euro an digitalen Vertriebserlösen verzeichnete das Blatt im vergangenen Jahr. Ein Verdienst, das auch die Kritiker von Ottlitz anerkennen. Von Co-Geschäftsführer Thomas Hass, formell die Nummer eins als „Vorsitzender der Geschäftsführung“, sind derlei Leistungen nicht belegt.

Dass Ottlitz sich immer schon als Mastermind gesehen hat, der weiß, wohin die Reise für die Medienbranche geht, hat ihm nicht nur Freunde gemacht. Doch von vielen „Spiegel“-Leuten wird er bis heute als jemand gesehen, der wenigstens eine Vorstellung davon hatte, wohin es gehen soll. Nun, da der Vordenker Ottlitz weg ist, droht der „Spiegel“ in ein strategisches Loch zu fallen. Umso mehr stellt sich die Frage, was die verbliebene Führungsriege kann.

Thomas Hass (60), Geschäftsführer: Hatte Ottlitz eine Vorstellung, wie der „Spiegel“ sich in den digitalen Zeiten aufstellen sollte, gibt es an Hass mehr als Zweifel. „Thomas ist da blank“, sagt eine hochrangige Führungskraft. Hass war lange im Vertrieb tätig und ab 2005 Leiter des Vertriebsmarketings. Seine Machtbasis war immer die Mitarbeiter-KG, der er seit 2007 angehörte und die er von 2013 bis zu seiner Berufung als Geschäftsführer im Jahr 2015 als KG-Vorsitzender führte.

Seine Kritiker sagen, seine größte Fähigkeit liege darin zu wissen, woher der Wind weht. So habe er es immer geschafft, sich im entscheidenden Moment auf die Seite desjenigen zu schlagen, der als Gewinner aus den Kämpfen hervorgeht. So habe er die Amtszeiten der Chefredakteure Wolfgang Büchner, Klaus Brinkbäumer und Steffen Klusmann überstanden sowie maßgeblich den jetzigen Chefredakteur Dirk Kurbjuweit installiert und mitprotegiert. Hass muss seinen Kritikern jetzt zeigen, dass er nicht nur taktisch lavieren, sondern das Haus auch strategisch führen kann.

Martina Hoyer (50) ist seit April 2025 Leiterin Finanzen der „Spiegel“-Gruppe. Sie kommt von Gruner + Jahr/RTL Deutschland, wo sie den Bereich Investitionen und Beteiligungen verantwortete. Hoyer soll neben der Finanzabteilung mittelfristig weitere Geschäftsführungsaufgaben, etwa bei „Spiegel TV“, übernehmen. Jedoch trauen ihr nur wenige im Haus zu, den wegen seiner hohen Kompetenz geschätzten Sven Rathje auch nur annähernd ersetzen zu können.

Jennifer Lachman (44): Die Geschäftsführerin des „Manager Magazins“, wozu auch der „Harvard Business Manager“ zählt, wird Chief Operating Officer (COO) mit einem Schwerpunkt auf der Entwicklung der „Spiegel“-Gruppe. Die gelernte Journalistin, die zuvor bei Xing, der „Financial Times Deutschland“ und bei den Gruner+Jahr-Wirtschaftsmedien war, soll MM-Geschäftsführerin bleiben und neben der Personalabteilung auch die Verantwortung für Spiegel Media übernehmen. Auch bei ihr gibt es arge Zweifel, ob sie der Aufgabe gewachsen ist. Zudem gilt ihr Wirken bei MM nicht als Erfolgsgeschichte, da dort die Zahlen derzeit schlecht sind.

Christoph Zimmer (49): Die vormals rechte Hand von Stefan Ottlitz wird der neue Chief Product Officer (CPO) und übernimmt damit die Verantwortung für die Weiterentwicklung der Angebote der Gruppe gemeinsam mit der Chefredaktion sowie die Bereiche Produkt, Vertrieb und Herstellung. Außerdem bleibt er Geschäftsführer von „11 Freunde“. Ottlitz hatte ihn 2022 von Tamedia in der Schweiz zum „Spiegel“ geholt. Dort hatte Zimmer lange als Pressesprecher gearbeitet und war anschließend auf die Produktseite gewechselt. Ein solider Arbeiter, aber intern ist man sicher, dass er Ottlitz nicht ersetzen kann. 


Auszug aus der "Spiegel"-Story in kress pro 10/2025 -  hier können Sie das Magazin bestellen.

 
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