Der Journalist kehrt an seine alte Ausbildungsstätte zurück. Als neuer Lehrredakteur der Kölner Journalistenschule hat er einiges vor.
Im Gespräch mit „
Wirtschaftsjournalist:in“-Chefredakeur Marcus Hebein blickt er auf seine Tätigkeit. Ein Auszug:
„Sie kehren als Lehrredakteur an Ihre eigene Ausbildungsstätte zurück. Wie fühlt es sich an, wieder an der Kölner Journalistenschule zu stehen – diesmal auf der anderen Seite?Jan Schulte: Ganz ehrlich: Ich bin schon ein bisschen stolz, dass ich diesen Job machen darf. Ich bilde mir ein, noch nicht sooo alt zu sein, und kann mich noch gut an meine Zeit als Schüler erinnern. Nun auf der anderen Seite zu sitzen, macht Spaß – ist aber herausfordernder als ich mir das als Schüler immer gedacht habe.
Ihr Schwerpunkt ist Nachhaltigkeit in Finanz- und Realwirtschaft. Wie bringt man solche komplexen Themen jungen Journalisten nahe, ohne sie zu überfrachten?Ich habe dazu gerade ein (Zusatz-)Seminar an meiner Schule über mehrere Stunden gehalten. Man muss zu Beginn schon einiges erklären. Hand auf’s Herz: Wie sattelfest sind die meisten Journalisten z.B. in Sachen CSDDD, SFDR, CSRD und EU-Taxonomie? Wo liegen da die Probleme für Unternehmen (außer ganz platt Bürokratieabbau, dessen Sinn man auch diskutieren kann), was machen Aufsichtsbehörden, Wirtschaftsprüfer und was die Politik - und wie hängt das alles zusammen? Ich habe mich entschieden, es möglichst anschaulich zu gestalten und Beispiele zu geben. Und ich habe neulich meine Linkedin-Bubble gefragt, was für sie guter und schlechter Nachhaltigkeitsjournalismus ist. Da kamen spannende Antworten bei heraus.
Bei „dreimaldrei“ sind Sie Textchef. Für diese Rolle ist eine gewisse Strenge durchaus zuträglich. Wird man das auch im Unterricht spüren? Sehr gute Frage! Ich habe mir zwei Ziele vorgenommen: Ich will den Schülern helfen, die Texte besser zu machen und sie sollen was aus unserer Zusammenarbeit nachhaltig für ihre Zukunft lernen. Als Redakteur oder Textchef hat man die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Ich bin bereit, über jeden Satz zu diskutieren. Mal schauen, wie lange ich den Anspruch halten kann, ohne ein Machtwort sprechen zu müssen. (Zur Not muss meine Boxbirne wieder dran glauben.)
Apropos Strenge: Was ist in Texten von Nachwuchsjournalisten die häufigste Baustelle?Da spreche ich mal allgemeiner und losgelöst von meinem neuen Job an der Journalistenschule, denn da habe ich noch zu wenige Texte gelesen. Ich denke, die häufigste Baustelle ist, fokussiert beim Thema zu bleiben. Wer sich etwas unsicher ist, bringt immer mehr Aspekte in einen Artikel ein und Leser*innen würden am Ende etwas ratlos davor stehen. Eine klare Recherchefrage oder eine These zu entwickeln, halte ich gleich zu Beginn für entscheidend. Die muss dann auch im Text deutlich werden, im „Portal“ etwa. Wer das hinbekommt, der müsste dann auch beim Schreiben merken: Passt der Aspekt zur Fragestellung – oder passt er nicht?
Welches journalistische Handwerksstück ist Ihnen wichtiger zu vermitteln: Recherche oder Sprache?Ich finde, beides bedingt sich. Ich kann mit guter Sprache womöglich eine schlechte Recherche etwas kaschieren, aber das sollte nicht der Auftrag sein. Die Recherche muss gut sein, die Fakten müssen stimmen und dann schauen wir, wie wir das so aufschreiben können, dass Leser*innen den Text hoffentlich bis zum Ende lesen.
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Das gesamte Interview lesen Sie in der Printausgabe von "Wirtschaftsjournalist:in".